Anmeldung und Aufnahme

Für jedes Kind gibt es einen ganz besonderen Moment zum Ende seiner Kindergartenzeit: Es wird zum ersten Mal als “Schulkind” angesprochen. Dieses Wort wirkt für die Kinder nicht selten wie ein Zauberwort. Die Reaktionen sind durchaus unterschiedlich: manche werden beflügelt, die Vorfreude wächst, sie bekommen “Antennen” für alles, was mit Schrift oder Zahl zu tun hat. Manche Kinder reagieren mit Ängstlichkeiten, sie würden gern noch einmal von vorne im Kindergarten anfangen, Mutter am liebsten unter den Rock kriechen. Viele Varianten im Zwischenbereich sind denkbar und auch erlebbar. Nun wäre es ideal, wenn die Eltern und Erzieherinnen im Kindergarten individuell an jedem Kind den besten Moment für seine Einschulung ablesen könnten, von Seiten des Gesetzes ist aber anderes vorgesehen und wir müssen es handhaben.

Voraussetzung

Wir sind eine Schule für “normal” begabte Kinder und Jugendliche. Wir besitzen keine Förderstufe. Möglichkeiten der Entwicklungsförderung können wir ausschließlich im Rahmen des pädagogischen Konzeptes und des Lehrplans der Waldorfschulen (als allgemein bildende Schule) bieten. Wir arbeiten zusammen mit dem Verein zur Integration und Entwicklungsförderung IGEL, der in unserer Schule angesiedelt ist.

Aufnahmeverfahren der Kinder

Das Aufnahmegremium unserer Schule hat sich vor Jahren zur Aufgabe gemacht, diesen “besonderen Moment” für die Kinder schön und so realitätsnah wie nur möglich zu gestalten. Entsprechend haben wir das Aufnahmeverfahren für die Kinder eingerichtet.

a) Rückblick

Viele Jahre wurden auch an unserer Schule die Kinder einzeln einem kleinen Kreis Erwachsener vorgestellt und spielerisch “getestet”. Anschließend fanden kurze Gespräche mit den Eltern statt.
Für die Kinder stellte diese Situation u.E. eher eine “Prüfungssituation” dar als einen Einblick in eine Schulklasse oder Schulstunde. Letzteres wollten wir aber doch gerne zumindest ansatzweise erreichen.

b) Aktuell

Das führte dazu, dass wir seit etlichen Jahren die Einschulungsuntersuchung in Form einer Art Schulstunde veranstalten , wie sie durchaus zu Beginn einer ersten Klasse stattfinden könnte. Sechs bis acht Kinder finden sich ein, ein/e Klassenlehrer/in erarbeitet mit der Gruppe die “Aufgaben”, wobei dann die Kinder auch einzeln vor der Gruppe die Übungen und Spiele tun dürfen und sollen. Als Beobachter und Protokollanten sind bis zu vier Lehrer/innen und Erzieherinnen im Hintergrund dabei. Die Beobachtungen werden anschließend besprochen, Empfehlungen entwickelt, Entscheidungen getroffen. Dann findet ein Gespräch mit den Eltern statt, in dem die Beobachtungen mitgeteilt und besprochen werden, Fragen beantwortet ,Informationen gegeben und Wünsche geäußert werden können.

c) Exkurs: Projekt

Mit zunehmender Diskussion um die Vorverlegung des Einschulungsalters wurde von einer Gruppe Schulärzte , Lehrer und Erzieher von IPSUM (Institut für Pädagogik, Sinnes- und Medienökologie) ein Forschungsprojekt “Einschulungsalter und Gesundheitsentwicklung” durchgeführt, an dem auch wir teilgenommen haben (Erste Berichte dazu in der Zeitschrift Erziehungskunst 5/06, 10/07.). Ein sehr gut handhabbares und aussagekräftiges Untersuchungsprogramm wurde in diesem Projekt entwickelt, das wir seither auch für unser Aufnahmeverfahren benutzen, allerdings auch Variationsmöglichkeiten mit einbeziehen. Da es an unserer Schule noch keinen Schularzt gibt, bedeutet dieses von IPSUM entwickelte Verfahren für die Ausführenden durchaus auch ein Stück mehr Sicherheit. Hausintern entwickelten wir einen Anamnesebogen, mit dem die Eltern kurz zur Gesundheitsentwicklung seit der Geburt ihres Kindes Auskunft geben.

d) Details

Quantität und Qualität der Handlungen werden bewertet:

  • erster Moment der Begegnung mit dem fremden Erwachsenen.
  • erster Gesprächskontakt
  • erste Reaktion auf die anderen Kinder
  • Verhalten in der Gruppe
  • Aufmerksamkeit
  • Gestaltwandel des Kindes/ Körperproportion

Motorische Untersuchung:

  • Gleichgewicht
  • Koordination und Grobmotorik
  • Orientierung im rückwärtigen Raum
  • Gesamtkörperkoordination
  • Bewegungssicherheit
  • Geschicklichkeit,
  • Kraft
  • Entwicklungsstand der Feinmotorik
  • Ist isolierte Bewegung möglich ohne assoziierte Mitbewegungen?
  • Freie Bewegungsführung nur einer Hand

Sensorisch – kognitive Untersuchung:

  • rhythmisch differenziertes Zuhörenkönnen
  • Konzentration
  • Merkfähigkeit
  • Laut- und Silbenwahrnehmung
  • Artikulation

Mengen erfassen:

  • Zahl erinnern
  • Zahlenraum feststellen

Form erfassen:

  • Verfügbarkeit von Vorstellungskräften
  • Visuelle Wahrnehmung und Visumotorik

Bildbetrachtung und -beschreibung:

  • Ausdrucksfähigkeit
Fazit

Die Kinder in der Gruppe und im Gruppengeschehen wahrzunehmen hat den entscheidenden Vorzug, dass man quasi nebenbei einen Eindruck von einer möglichen Klassenkonstellation gewinnt: Die Klassen entstehen in dem Aufnahmeprozess.

“Aufnahme” der Eltern

Auch für Eltern ist die Einschulung eines Kindes ein besonderer Meilenstein für die Familiengeschichte. Eltern an einer Freien Waldorfschule zu werden bedeutet ja, dass man sich bewusst mit Erziehungsfragen auseinandergesetzt hat, individuell nach Erziehungswegen sucht und bereit ist neue Wege mit seinem Kind zu beschreiten. Trotz umfassender Literatur zum Thema Waldorfpädagogik haben wir es uns zur besonderen Aufgabe gemacht, die zukünftigen Eltern möglichst ausführlich über unsere spezielle Färbung dieser Pädagogik zu informieren. Für Interessierte gibt es immer wieder vielfache Möglichkeiten Einblick in das Schulleben zu nehmen. In regelmäßigen Abständen bieten wir Führungen durch unser Haus an, bei denen bereits sehr viele Details unseres Schullebens sichtbar, spürbar werden. An öffentlichen Schulfeiern und –festen können Gäste die ganze Schulgemeinschaft in Aktion erleben. Bei Klassenspielen und den Künstlerischen Abschlüssen unserer 12. Klassen kann man die künstlerische Professionalität der Jugendlichen bewundern.

Für die Eltern der zukünftigen ersten Klassen bieten wir Informationsveranstaltungen an, auf denen allgemeine Fragen besprochen werden, Fachkollegen über ihren Unterricht berichten, in kleinen Workshops Eltern aktiv werden können, die Pflichten und Verpflichtungen gegenüber einer freien Schule dargestellt werden. Oft können auch die zukünftigen Erstklasseltern an unserem Pädagogischen Wochenende mit “alten” Eltern in Gesprächskreisen und bei künstlerischer Arbeit zusammentreffen und sich austauschen.

Aufnahmeantrag stellen

Möchten Sie Ihr Kind an der Waldorfschule Mülheim-Ruhr anmelden? Dann können Sie sich den Aufnahmeantrag herunterladen (PDF). Bitte füllen Sie diesen vollständig aus und senden Sie ihn unterschrieben per Post an unser Schulbüro (Anschrift siehe Kontakt/Impressum). Bei Fragen sind wir gern für Sie da.