Grußwort & Beiträge

Portrait_Hannelore Kraft

 

 

Grußwort von Ministerpräsidentin Hannelore Kraft

 

 

 

Grußwort aus der Rudolf Steiner Schule, Bochum-Langendreer

GW Bochum

 

Die umgekehrte Schulgründung

von Herrn Hünig, ehemaliger Lehrer & Mitgründer der Schule

Normalerweise entstehen Waldorfschulen aus der Initiative von Eltern heraus. Oft sind es ehemalige Waldorfschüler, die gerne für ihre Kinder an ihrem neuen Wohnort eine Waldorfschule haben wollen. Nach einiger Vorarbeit kann dann ein Kindergarten seine Arbeit aufnehmen, es wird ein Gründungslehrer und ein Gründungskollegium gesucht, auch eine Patenschule, die das neue Pflänzchen in den ersten Jahren begleiten und unterstützen soll.

Bei unserer Mülheimer Schule war alles anders.

Da war schon die Waldorfschule in Essen. Viele Anmeldungen hatte sie jedes Jahr, auch viele aus Oberhausen, Mülheim und Duisburg. Und einer der Urväter der Schule, Herr Bäuerle, wusste, dass seine Schwester, die in Marburg vier Klassenzüge durchgeführt hatte, demnächst ein Freijahr machen würde und dabei auch für Neuorientierungen offen war.

Die Patenschule war da – und mit ihr dann auch bald die Gründungslehrerin.

So ging dann von der Essener Schule aus der Ruf an interessierte Menschen in Oberhausen, Mülheim und Duisburg, wer sich denn in eine Schulgründung westlich von Essen einbringen wolle und könne.

Dieser Ruf wurde freudig aufgegriffen von Frau Jaeschke und Herrn Dr. Rabben aus dem anthroposophischen Zweig in Duisburg und Frau Veit aus dem Zweig in Mülheim. Diese Persönlichkeiten des Gründungsvorstandes wollten keine Schule mehr für ihre Kinder – die waren alle längst durch die Schulzeit durch -, sondern setzten sich für diese Schulgründung ganz aus Idealismus und Überzeugung für die Sache ein.

Und Frau Bäuerle streckte ihre Fühler aus nach jungen KollegInnen,  die mit ihr diese Schule auf den Weg bringen wollten.

Als zweiter schon in der Waldorfschule erfahrener Lehrer stieß dann noch Herr Tunnat hinzu, so dass auch die Musik von Anfang an ihren festen Platz und hohen Stellenwert in unserer Schule haben konnte.

Erst nachdem die Schule schon gestartet war und etliche Schuleltern sowie junge Kollegen

für ihre kleineren Kinder auch die Waldorfpädagogik suchten, kam eine Initiative zur Gründung eines Kindergartens zustande.

Manche alte Hasen in der Waldorfszene runzelten die Stirn: Kann das gutgehen, wenn eine Schule nicht “ordentlich” von unten herauf “gegründet” und aufgebaut wird? Heute können wir dem entgegenhalten: Eine Gründung, die “von oben” her sich inkarniert, kann zu etwas ganz Besonderem werden. Und das ist “unsere” Mülheimer Waldorfschule.

“Rückblickend erinnere ich mich sehr gerne an die Zeit…”

von Frau H. Schaefer, ehemaliges Vorstandsmitglied & Mitgründerin der Schule

Vor 30 Jahren, am ersten Schultag der Freien Waldorfschule in Mülheim an der Ruhr, war es eine noch recht kleine Schar von Schülern, Lehrern, Mitarbeitern und Eltern, die sich mit großen Erwartungen, Hoffnungen und Wünschen auf dem Schulhof in Selbeck versammelt hatten.

Von Beginn an war Mitarbeit und Hilfe der Eltern gewünscht und notwendig. Handwerkliche und künstlerische Arbeitskreise zur Ausgestaltung der Schule und der Außenanlagen, Gremien wie Schulpflegschaft, Finanzkreis und die Vorstände von Schulträger- und Förderverein mussten alle neu eingerichtet werden und die Arbeit aufnehmen.

Wir haben geputzt, gestrichen, den Garten hergerichtet, die Vorhänge gefärbt. Als eines Tages lauter rote Stoffe zum Trocknen aufgehängt waren, dachten die Selbecker, dass wir eine kommunistische Gruppierung seien.

 Diese Schule im Süden Mülheims war nur eine Übergangslösung und wir schauten uns viele  andere Schulen und Gebäude an, schließlich auch Grundstücke.

Der Neubau in Heißen war ein Kraftakt für die ganze, junge Schulgemeinschaft, der in vertrauensvoller, engagierter Zusammenarbeit von Lehrern und Eltern in kurzer Zeit bewältigt werden konnte. Nicht ohne viele, zeitintensive Vorstandssitzungen, in denen weit in die Zukunft reichende Entscheidungen sehr kurzfristig und verantwortungsvoll getroffen werden mussten.

Rückblickend erinnere ich mich sehr gerne an diese Zeit – reich an Arbeit, aber auch reich an Gelegenheiten, Lehrern, Mitarbeitern und anderen Eltern außerhalb der Elternabende in anderer Art zu begegnen, sich wahrzunehmen und kennenzulernen.

Viele unterschiedliche Fähigkeiten und Talente können und müssen eingebracht werden, um das Schulleben bunt und zukunftsfähig zu gestalten.

Ich wünsche der Freien Waldorfschule in Mülheim an der Ruhr auch weiterhin viele engagierte Schüler, Lehrer, Mitarbeiter und Eltern.

Wir sind auch als Eltern Lernende

 von Frau R. Heldsdörfer, Mutter an der Schule seit 30 Jahren

Durch einen Zufall erfuhr ich vor 30 Jahren, dass es die Waldorfschule gibt und aus einem inneren Drang heraus meldete ich mein erstes Kind dort an. In diesem Jubiläumsjahr ist meine jüngste Tochter im Abitur und wird im Sommer die Schule verlassen.

Es kam viel Neues auf mich zu, von dem ich noch nie gehört hatte. Durch die Waldorfpädagogik aber auch durch die Anthroposophische Gesellschaft und die Christengemeinschaft fing ich an, mich mit geistigen Fragen zu beschäftigen. Das ist über viele Jahre gewachsen und die Sichtweise auf meine Kinder, auf das Leben, auf das eigene Sein, hat sich verändert. Auf viele Fragen habe ich für mich Antworten für das Menschsein erhalten.

Ich bin mit der Schule auch durch Krisen und Konflikte gegangen, vor allem der Dogmatismus der im ersten Jahrzehnt geherrscht hat, hat mich zum Widerspruch bewegt. Auch dadurch war ich mit der Schule im Gespräch und auch dadurch habe ich mich verbunden.

Durch meine Kinder habe ich erfahren, dass ich selbst Lernende bin und weiterhin lerne. Ich danke ihnen, dass sie mich auf diesen Weg geführt haben und ich Vertrauen in ihre Zukunft habe. Die Impulse der Schule geben den Kindern im Leben eine geistige Entwicklungsmöglichkeit, um hinter die Erscheinung der Dinge zu sehen und sich mit Interesse und Liebe der Welt und den Menschen zu öffnen.

Die Schule wird mir immer eine Herzensangelegenheit bleiben, ich danke für alles was ich erfahren durfte. Ich bitte um Gottes Segen für die Schule und für alle, die dort tätig sind. Für die Zukunft unserer Kinder.

 

Gespräch mit Herrn Reiter

Hausmeister der Schule & ehemaliger Vater

- Herr Reiter, wie fing eigentlich Ihre Beziehung zur Waldorfschule an, als Vater oder als Mitarbeiter?

- Als Vater!

- Und wie hatten Sie von der Schule gehört?

- Sie werden lachen, es gab damals donnerstags eine Sendung mit Carmen Thomas „Ü-Wagen“.  Und meine Frau und ich hörten im Radio die Sendung als Frau Thomas in der Widarschule oder der Essener Schule zu Gast war und meine Tochter war damals in dem Alter wo sich Eltern zur Schule Gedanken machen. Eigentlich hätte sie in die gleiche Schule gehen müssen, die ich schon besucht hatte… Da meine Frau begeistert war, guckten wir uns die Essener Schule an und Clarissa kam dann in die Initiativklasse, die ja den Start für unsere Schule bildete. Wir Eltern fuhren regelmäßig nach Duisburg zu den Gesprächskreisen.

Der nächste Schritt war die Renovierung einer ehemaligen Gaststätte neben dem Tennisclub. Dort arbeitete ich als gelernter Elektriker mit anderen Eltern an den Räumen für den Kindergarten.

Ende 85 hat dann der damalige Hausmeister der Schule gekündigt. Es wurde ein neuer gesucht und ich wurde von Eltern angesprochen. Wohl wissend, dass ich damit meinen Beamtenstatus aufgab, habe ich zugesagt.

- Haben Sie das je bereut?

-Nein!

- Haben Sie eine nette Geschichte aus der Anfangszeit?

-Nach meinem Mitwirken in meinem ersten Weihnachtsspiel als Wirt kamen am nächsten Morgen die Schüler auf mich zu, etwas böse blickend:

Warum hast Du Maria und Josef nicht hereingelassen? Und nach einer Pause: Aber gespielt hast Du schön!

Heute genieße ich es, dass wir aus den Provisorien heraus sind und dass nicht-optimale Anlagen ausgetauscht wurden. Früher passierte es öfter im Winter, dass in unserer Wohnung nachts eine Sirene losging und meine Familie weckte: In der Heizung gab es einen technischen Defekt. Mit der Nachtruhe war es dann vorbei.

Außerdem habe ich heute Herrn Uka an der Seite,  gelegentlich noch weitere Mitarbeiter.

 

Erste Schuljahre in Selbeck und Heißen

von Katrin und Mathias Schaefer, ehemalige Schüler & zukünftige Eltern der Schule

Eine ausgemusterte Grundschule in Selbeck diente in den ersten vier Jahren als Schulgebäude. Das Hauptgebäude war grau, die beiden Pavillons nicht viel hübscher in grün-grauer Anmutung. Aber auf dem Schulhof stand eine riesige Linde, um die herum schnell eine Bank gezimmert wurde. Vor den Pavillons gab es einen Grünstreifen mit Obstbäumen, Gras und einem kleinen Weg. Hier zogen wir in den Pausen unsere Runden, anfangs noch am Rockzipfel unserer Lehrerin Frau Bäuerle. Später spielten wir dort „Mädchen fangen die Jungen“ und umgekehrt – der Bereich hinter dem Stromhäuschen eignete sich bestens als Gefängnis.

Die Tür zum Hauptgebäude war hölzern und schwer – für verspätete Erstklässler eine echte Hürde. Das große Treppenhaus war auch Versammlungsort für kleinere Feiern, die Klassen reihten sich in zwei großen Fluren aneinander. Für Monatsfeiern und größere Veranstaltungen nutzten wir den Saal der Essener Waldorfschule. In den Pavillons waren Handarbeits-, Musik- und Eurythmieräume untergebracht und so wenig hübsch die Gebäude von außen auch waren, umso mehr nahm man den Geruch von Schafwolle, Bienenwachs und neuen Teppichen wahr, sobald man eintrat.

Als wir nach Heißen ins neue Schulgebäude zogen, kam es uns vor wie ein Palast. So viel Platz drinnen und draußen. Und erst die Turnhalle. Sie war riesig, hatte einen Turnhallenboden und richtige Umkleiden. Von Selbeck kannten wir nur die Turnhalle in Klassenzimmergröße mit knarrendem Holzparkett und einer gusseisernen Heizung, von der es heute noch Platzwundennarben gibt. Wohlgefühlt haben wir uns an beiden Orten – es war einfach unsere Schule.

 

Gespräch mit Frau Eilinghoff

ehemalige Mutter & Mitarbeiterin der Schulküche

Frau Eilinghoff, wie war der Anfang?

Angefangen hat es dadurch, dass ich so viele Leute kannte, die ihre Kinder schon in der Waldorfschule hatten. Ich bin zu Vorträgen von Frau Bäuerle gegangen, bevor ich Kinder hatte.

1991 veranstaltete die Schule eine Tagung zu der Delegierte von allen Waldorfschulen kamen und ich wurde gefragt, ob ich die Verpflegung organisieren könnte. Eine Küche gab es noch nicht….Die 300 Gäste aßen in der Turnhalle, es war chaotisch, aber es klappte. Mit geliehenem Geschirr haben wir Frühstück, Mittagessen und Abendbrot serviert (die warmen Speisen wurden angeliefert).

Danach bildete sich danach ein Küchenkreis mit der Frage: Können wir den Schülern mittags etwas anbieten?

Und wenn Du nicht mehr weiter weißt, dann bilde einen Arbeitskreis… Der Küchenkreis kreiste oder kreißte etwa 2 Jahre lang und als Elias, das jüngste Kind der Eilinghoffs im Kindergarten war, fing es mit 2 Tagen pro Woche an. Aus einer Insolvenzmasse (Hertie) kam die erste Einrichtung und dann wurde auf ehrenamtlicher Basis gekocht, d.h. Mütter, die ihre Kinder in der Schule hatten, kochten mit Frau Eilinghoff. Das Erstellen der Dienstpläne war nicht immer einfach, es gab Kinderkrankheiten und mit den Jahren wurde es immer schwieriger genügend Mütter und Väter zu finden, die noch Zeit hatten. Die Cafeteria war damals wirklich Mittelpunkt der Schule, wo sich Eltern, Lehrer und Schüler trafen.

Und damals gab es noch Baguettes in der zweiten großen Pause…

Frau Eilinghoff, wir danken Ihnen für Ihre Aufbauarbeit und den guten Start der Küche!

 

“Zukunftsaufgaben begegnen uns durch Kinderherzen… “

 von Herrn M. Kusenberg, Lehrer und Vater an der Schule

- so beginnt der von unserem Kollegium erarbeitete Grundsteinspruch unseres Neubaus.

Im Zentrum dieses Spruches werden zwei große Wünsche zum Ausdruck gebracht:

“Möge der Geist der Initiative uns befähigen

unsere Aufgaben mutig und schöpferisch zu ergreifen.

Möge die Kraft des Herzens unsere ganze Schulgemeinschaft

durchdringen, beleben und zusammenhalten. “

Als ich vor vielen Jahren den kleinen bereits bestehenden Gründungskreis unserer Schule kennenlernte, war es genau dieser “Geist der Initiative” und genau diese “Kraft des Herzens”, welche mich davon überzeugten, in diese Gründung einzusteigen. Zuvor hatte ich als Student von Witten- Annen ein Praktikum in Frau Bäuerles erster Klasse machen dürfen, bei dem sie mich herzlich, aber auch schonungslos – im besten Sinne des Wortes- herausforderte. Nach diesem Praktikum sagte ich ihr leichtsinnigerweise, dass ich auch irgendwann mal gerne eine Klasse führen würde, obwohl ich eigentlich in erster Linie Werklehrer sei.

Für die ersten Jahre hatten wir für die bestehenden Klassen 1-6 in Mülheim- Selbeck in der “Karl-Forst-Straße” ein Grundschulgebäude im “Feuerzangenbowlen-Stil” angemietet. Schöne, schreinergefertigte Holztüren, welche von den langen Gängen in die eigentlich zu kleinen Klassenräume führten und ein originelles Treppenrondell zierten das Haupthaus und auf dem Gelände standen noch zwei  Pavillons. In einer Blitzaktion wurden von vielen engagierten Eltern alle Räumlichkeiten vom alten “Muff” befreit und farbig lasiert.

In den Sommerferien 1985 richtete ich dann wiederum mit Elternhilfe eine kleine Werkstatt ein, damit der Werkunterricht beginnen konnte. In diesem circa 20 m² großen Raum sollten dann zwischen den Hobelbänken halbe Klassen, also 20 Schüler, mit scharfen Werkzeugen Holz bearbeiten. Dabei hat mancher Schüler manchem Mitschüler versehentlich in den Pullover oder in die Jeans geschnitzt und bei mancher Arbeit mussten die Schüler gestapelt werden (-auf Hobelbank und Boden sitzend arbeiten-) oder auf den Gang ausweichen. Aus heutiger Sicht eine Zumutung, aber es ging irgendwie und es hat Spaß gemacht.

Auch an meine erste Ansprache zu Michaeli vor der ganzen Schülerschaft erinnere ich mich sehr genau. In der Nacht zuvor habe ich vor Aufregung keine Sekunde schlafen können. Alle Schüler haben sich in den langen Gang gesetzt, die hinteren auf Stühle, welche sie sich aus der Klasse mitgenommen hatten, und die vorderen im Schneidersitz dicht an dicht. Ich selber stand auf einem wackeligen Podest im Treppenrondell und versuchte, angefeuert durch unsere erfahrenen alten Hasen Herr Tunnat und Herr Schanz, mit meiner Sprache bei allen anzukommen. An der spannendsten Stelle -kurz vor der Drachentötung- , welche ich versuchte gesten- und  gebärdenreich den Schülern nahezubringen, wäre ich beinahe vom Podest und von der Treppe heruntergefallen. Es war etwas abenteuerlich, hat aber für bleibende Erinnerungen gesorgt.

Als ich gerade mal sechs Wochen in meiner neu eingerichteten Werkstatt unterrichtet hatte, trat Frau Bäuerle schmunzelnd auf mich zu und erinnerte mich daran, dass ich doch gesagt hätte, irgendwann mal eine Klasse führen zu wollen. Dieser Zeitpunkt sei nun gekommen, denn die Lehrerin der fünften Klasse müsse aus gesundheitlichen Gründen sofort aufhören zu unterrichten und ihre Klasse abgeben. “Tja”, sagte sie,”so schnell kann’s gehen und so bunt ist das Leben gemischt!”

So kam ich zu meiner ersten Klassenführung.

Diese sehr nette fünfte Klasse hatte ihren Klassenraum in einem der Pavillons. Auch hier waren die Arbeitsbedingungen von besonderer Art. Zur großen Freude der Kinder hatten wir öfters Besuch von Mäusen und anderen Kleintieren. Zudem war das Dach nicht dicht,-was wir zunächst allerdings nicht wussten. Eines Tages, nachdem es viel geregnet hatte, hatten wir unsere frisch gemalten Aquarellbilder auf dem Fußboden ausgebreitet (Malschränke besaßen wir noch nicht), als ich plötzlich durch ein lautes Platschen und nachfolgende Entsetzensschreie einiger Kinder aufgeschreckt wurde. Eine aus einer Art Pappmache bestehende Deckensfliese, welche vom Regenwasser völlig durchnässt und aufgequollen war, hatte sich unter der Last ihres Gewichtes abgelöst und war auf die Bilder herabgeklatscht. Im Sekundentakt folgten noch einige weitere durchtränkte Deckenfliesen und machten mitsamt unseren Aquarellbildern eine bunte Pappmache- Landschaft auf unserem Fußboden. Das war zwar einerseits ärgerlich, andererseits aber auch lustig und die Kinder waren vollends versöhnt als wir – nachdem alle weiteren feuchten Fliesen vom Hausmeister entfernt worden waren – zur Entschädigung eine ganze Woche lang malten.

Trotz,- oder vielleicht auch gerade wegen des ständigen Improvisierens und aus wenig – viel Machens war diese Zeit ganz geprägt von diesem “Zauber des Anfangs”.

Seither sind fast 30 Jahre vergangen. Wir haben neu gebaut und jüngst ganz neu gebaut in der Blumendellerstraße und haben nun wunderschöne Räumlichkeiten. Unsere Werkräume sind groß und Deckenfliesen fallen auch nicht mehr herunter.

Aber in unserem täglichen, lebendigen Schulleben dürfen und sollen wir immerzu Neu-Anfänger bleiben.

Dieser gute Geist des Neubeginns möge uns stets erhalten bleiben.

Zudem wünsche ich mir, dass das Dritte, das in unserem Grundsteinspruch zum Ausdruck gebracht wurde, spürbar wird:

“Möge unser Schaffen ausstrahlen

und das Leben um unsere Schule weiten.”

Denn: “Zukunftsaufgaben begegnen uns durch Kinderherzen… ”

 

Ein Interview mit unserer ehemaligen Schülerin Marlene Mordas

Wie war es?

Wie war Deine Schulzeit an der Waldorfschule?

Meine Schulzeit an der Waldorfschule war sehr schön! Und zwar von vorne bis hinten! Ich denke, es gibt mehrere Gründe: weil kein zu großer Druck auf mich ausgeübt wurde, weil ich an der Waldorfschule die tollsten Freunde gefunden habe, die man sich vorstellen kann, weil ich gute Lehrer hatte, denen ihre Schüler am Herzen liegen, weil es so viele künstlerische Fächer gab.

Was war Deine Lieblingsklasse?

Da kann ich mich kaum entscheiden, aber ich sage jetzt mal, die 12. Klasse. Wegen unserer Abschlussfahrt nach Italien, dem künstlerischen Abschluss und vor allem dem Zwölftklassspiel

Wie war es in der 7. Klasse?

Es tut mir leid, ich kann mich nicht gut erinnern, was genau in der 7. Klasse war, ist für mich immerhin schon 7 Jahre her.

Was war Dein Lieblingsfach, gab es ein Fach, das Du gar nicht mochtest?

Meine Lieblingsfächer waren Gartenbau, Englisch und Erdkunde.

Es gab ein Fach, das ich gar nicht leiden konnte. Bei uns hieß das PC, es geht um Computer und Schaltkreise. Zum Glück hat man das auch nur ein Jahr.

Welche Schulveranstaltung mochtest Du am liebsten und welche nicht?

Am liebsten mochte ich die Abschlussveranstaltung vor den Sommerferien, wenn wir „Mich brennt’s in meinen Reiseschuhen“ singen.

Nicht so gern mochte ich die Veranstaltung nach den Sommerferien, wo die Lehrer ihren Schülern erzählen, was sie nächstes Jahr machen. Das fand ich immer sehr langweilig.

Wie fandest Du es, dass es auf der Waldorfschule keine Schulnoten gibt?

Während der Schulzeit habe ich mir gar keine Gedanken darüber gemacht. Als wir dann in der 12- Klasse Noten bekommen haben, kam ich gut damit klar. Im Nachhinein finde ich es aber eine sehr gute Sache. Denn ich finde, eine Note sagt sehr wenig aus und es entsteht nicht so ein Leistungsdruck und Konkurrenzkampf, wie ich es von Freunden an anderen Schulen mitbekommen habe.

Was habt Ihr als Achtklassspiel gespielt?

In der achten Klasse haben wir „Der Bürger als Edelmann“ gespielt. (Da fällt mir auf: Ihr seid ja dann auch nächstes Jahr dran. Kannst Du vielleicht Frau Engel fragen, ob sie sich darum kümmern kann, dass die Paten eine Einladung bekommen? Ich würde mir das gerne angucken.

Hat Dir das Schauspielen gefallen?

Ja, das Schauspielen hat Spaß gemacht. Wobei ich nicht der Typ für große Rollen bin. Am besten beim Achtklassspiel fand ich diese intensive Arbeit mit der ganzen Klasse.

Welches Stück habt ihr in der zwölften Klasse gespielt?

In der zwölften Klasse haben wir „Der Belagerungszustand“ gespielt. Und das hat wirklich unglaublich viel Spaß gemacht! Das war ein tolles Stück!

Was hast Du als Achtklassarbeit gemacht?

Als Achtklassarbeit habe ich einmal ein Kochbuch gemacht und noch mit einer Freundin ein Puppenhaus für ihre Schwester gebaut.

Was hast Du als Zwölftklassarbeit gemacht?

Als Zwölftklassarbeit habe ich mich mit dem Thema Gehörlosigkeit und Gebärdensprache beschäftigt und als praktischen Teil angefangen die Gebärdensprache zu lernen.

Welche Klassenfahrten habt Ihr gemacht?

Die größte Klassenfahrt war nach Italien zum Gardasee, unsere Abschlussfahrt. Aber ich kann mich auch an mehrere Fahrten mit Frau Engel innerhalb von Deutschland erinnern.

Toll war zum Beispiel eine Fahrt mit Wildwasserbooten auf dem Fluss “Lahn“. Und eine ganz schöne Erfahrung war auch noch das Landbaupraktikum.

Wie ist es?

Hast Du studiert?

Leider habe ich noch nicht studiert. Ich warte zur Zeit auf einen Studienplatz für Grundschullehramt oder Erziehungswissenschaften.

Hat die Waldorfschule Dir bei Deinem Studium geholfen?

Ich denke meine Schulzeit an der Waldorfschule hat viel dazu beigetragen, dass ich ein zufriedener, offener Mensch geworden bin, was mir bei allem was mache und noch machen werde, hilft.

Was machst Du jetzt?

Nach dem Abitur  habe ich ein Praktikum bei einem sozialen Dienst gemacht.. Dort habe ich mit Kindern und Familien aus sozial schwachen Stadtteilen in Essen gearbeitet und in Grundschulen bei einem Programm „Gesunde Ernährung und Bewegung“ mitgewirkt. Diese Arbeit hat mir so viel Spaß gemacht, dass ich auch weiterhin als sogenannte „Honorarkraft“ dort arbeite, während ich auf meinen Studienplatz warte. Nebenbei mache ich aber noch verschiedene andere Jobs.

Hast Du Familie oder Verwandte auf der Waldorfschule Mülheim an der Ruhr?

Ja, meine Schwester Ella besucht gerade die 11. Klasse. Wobei, das fällt mir auf, sie ist doch schon in der 12. Klasse.

Ist Dein Job oder Deine Arbeit schön?

Ja! Wie ich das eben schon geschrieben hatte: mein Job mit den Kindern ist sehr schön. Es macht mir soviel Spaß, dass ich auch in diese Richtung studieren möchte und später am liebsten als Grundschullehrerin arbeiten möchte.

 Ist Dir irgendetwas Interessantes in Deinem Lebenslauf passiert?

Es passieren ständig interessante Dinge in meinem Leben. In der Zeit nach der Schule passiert so viel, man verändert sich (keine Angst,- das war positiv gemeint) man macht viele neue Erfahrungen, lernt eine Menge neuer Menschen kennen. Ich finde die Arbeit mit Kindern sehr interessant. Noch eine interessante und sehr schöne Erfahrung war ein langer Urlaub, wo ich mit Kim (eine sehr gute Freundin von mir, die auch auf der Waldorfschule war) mit dem Auto eine Rundreise durch Spanien gemacht habe, als wir mit dem Abitur fertig waren.

Wie ist es so, nicht mehr auf der Schule zu sein?

Erstmal fand ich das ein bisschen komisch nicht mehr zur Schule zu gehen, ich habe ja quasi mein ganzes Lebens nichts anderes gemacht.

Und manchmal vermisse ich die Schule auch.

Aber es ist auch toll zu merken, dass man selbständig ist. Dass man machen kann, worauf man Lust hat, was einem am Herzen liegt und dabei so viele neue Erfahrungen machen kann.

Wie wird es?

Wie stellst Du Dir Deine Zukunft vor?

Ich möchte gerne im pädagogischen Bereich arbeiten. Ich möchte eine eigene Familie haben und ländlich wohnen. Aber mehr Gedanken mache ich mir dazu nicht – es wird hoffentlich alles so passieren, wie es passieren soll. Hauptsache, ich bleibe ein zufriedener Mensch.

Wird der Besuch der Waldorfschule Einfluss auf Deine Zukunft haben?

Ja. Wie ich eben schon in einer anderen Frage geschrieben habe, habe ich unter anderem der Waldorfschule zu verdanken, dass ich (welt)offen und zufrieden bin, was natürlich einen Einfluss auf meine Zukunft haben wird.

Zu einigen meiner Mitschüler habe ich sehr viel Kontakt, weil sie immer noch meine besten Freunde sind und hoffentlich auch bleiben werden. Auch zu den Lehrern und der gesamten Schule möchte ich gern weiterhin Kontakt haben. Ich werde die Schule immer mal wieder besuchen kommen zu verschiedenen Veranstaltungen, z.B. dem Adventsbazar.

Könntest Du Dir vorstellen, Deine eigenen Kinder auf die Waldorfschule zu schicken?

Ja, ich kann mir sehr gut vorstellen, meine eigenen Kinder auf die Waldorfschule zu schicken!

Wirst Du einmal in der Geschichte des 21. Jahrhunderts landen?

Ich möchte nicht unbedingt als einzelne Person in der Geschichte des 21. Jahrhunderts landen. Aber ich fände es sehr sehr schön wenn meine ganze Generation später mal in Geschichtsbüchern steht.

Und zwar als die Generation, die das Ruder herumgerissen hat und aktiv Problemen wie der Zerstörung der Natur, der Existenz von 3. Welt-Ländern und noch vielem mehr (ich könnte so viel aufzählen) entgegengewirkt hat

Wir werden sehen.